Anastasia: Märtyrin und Brückenbauerin


Beim Symposium im kroatischen Zadar wurden kostbare Bilder der heiligen Anastasia gezeigt. Rechts im Bild Prof. Josip Gregur. (openPR) - Professor Pater Dr. Josip Gregur SDB nahm an Symposium in Zadar teil

Am 10./11. Oktober 2006 hat in der kroatischen Küstenstadt Zadar ein internationales Symposium über die heilige Anastasia stattgefunden. Die römische Märtyrin erlitt in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian 304 – wahrscheinlich in Sirmium, dem heutigen Sremska Mitrovica in Serbien – den Tod. Von dort aus gelangten ihre Reliquien nach Konstantinopel. Ein Teil davon fand im 9. Jahrhundert den Weg nach Zadar – als Anerkennung für den dortigen Bischof Donat, der im so genannten Aachener Frieden zwischen dem oströmischen Kaiser und dem fränkischen Hof erfolgreich vermittelt hatte. So wurde die Heilige zur Patronin des Erzbistum Zadar.

Da Anastasia auch in Benediktbeuern sehr verehrt wird, nahm Professor Pater Dr. Josip Gregur SDB für die Salesianer Don Boscos und für die Pfarrei St. Benedikt am Symposium teil. Er berichtete in seinem Vortrag, unter welchen Umständen Reliquien der heiligen Anastasia im 11. Jahrhundert nach Benediktbeuern gelangten, und über das Kochelseewunder von 1704, das ihrer Verehrung kräftigen Auftrieb bescherte. Damals wollten die Tiroler das Kloster über den zugefrorenen Kochelsee überfallen, wurden aber auf die Fürsprache der Heiligen durch einen plötzlichen, ungewöhnlich warmen Föhn daran gehindert. Die Ausführungen von Pater Gregur, der auch die Grüße der Salesianer, der Pfarreiengemeinschaft Benediktbeuern und des Bürgermeisters Rauchenberger übermittelte, wurden in Zadar mit großem Interesse wahrgenommen. Gregur, selbst gebürtiger Kroate, gab seiner Hoffnung Ausdruck, die heilige Anastasia möge zur Völkerverständigung diesseits und jenseits der Alpen beitragen und die Kulturlandschaft Kroatiens – nicht zuletzt in den jetzigen Beitrittsverhandlungen – Europa näher bringen.

Das Symposium wurde durch eine große Ausstellung mit über 200 Bildern zur Person, zum Leben und zum Martyrium Anastasias eröffnet. Diese Bilder wurden von Künstlern aus ganz Europa beigesteuert. Sie wurden bisher bereits in Kiew und in Serbien gezeigt; demnächst werden sie im piemontesischen Mondovì und 2007 in Rom ausgestellt. Der Motor dieser Aktion ist der italienische Maler russischer Abstammung Pierre Tchakhotine, der vor 18 Jahren die heilige Anastasia als eine »Brücke zwischen dem christlichen Osten und Westen« (so der Titel des Symposiums) für sich ‚entdeckte’ und das internationale Projekt »Heilige Anastasia Hoffnung auf Frieden« ins Leben rief. Zu diesem Zweck ließ er zwei Ikonen, eine byzantinische und eine ‚westliche’ anfertigen. Diese Ikonen wurden vom Papst Johannes Paul II. und dem Moskauer Patriarchen Alexius II. gesegnet und – die geduldige Zähigkeit Tchakhotines brachte es zuwege – auch in der Raumstation »Mir« in den Weltraum mitgenommen. Das sollte die Anastasia im damaligen Balkankonflikt als Friedensvermittlerin ‚von oben’ markieren. Verständlicherweise fanden die beiden Kunstwerke bei der Ausstellungseröffnung und beim Symposium eine besondere Beachtung.

Tchakhotine, der mittlerweile alle Verehrungsstätten Anastasias in Europa – so auch Benediktbeuern – kennt, sieht in ihrem Lebensweg und ihrem europaweiten Kult große Chancen für den ökumenischen Dialog zwischen der Ost- und der Westkirche. In seinem Dankeswort an den Erzbischof Ivan Prenđa (der Benediktbeuern ebenfalls kennt, weil er seinerzeit in Kochel einen Deutschsprachkurs besuchte), ‚träumte’ er sogar von einem ökumenischen Gipfeltreffen in Zadar: Nachdem sich die Stadt im geographischen Kreuzungspunkt der Anastasiaverehrung befinde, sei sie durch ihre Lage zwischen Ost und West ein idealer, weil unverfänglicher Ort für die ersehnte Begegnung zwischen dem römischen Pontifex und dem russischen Patriarchen. Träumen darf man ja, kommentierte der Erzbischof den zähen Visionär.

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